Öko-Vollzug - Umweltschutz und Nachhaltigkeit
01.07.2023
Begegnungen und Gespräche von Stephanie Pfalzer

Stephanie Pfalzer, Redakteurin der Fachzeitschrift Forum Strafvollzug, besuchte am 27. Februar 2023 die Jugendstrafanstalt Ebrach im Norden Bayerns und gewann vor Ort im Gespräch mit den Bediensteten einen Eindruck, wie Nachhaltigkeit im Justizvollzug gelebt werden kann.
Diesen Eindruck gibt Stephanie Pfalzer in mehreren Etappen im Gespräch mit Sebastian Schroll, dem Leiter der dortigen Arbeitsverwaltung, wieder.
Forum Strafvollzug (FS): Nachhaltig und ökologisch sind Begriffe, die im Zusammenhang mit der JVA Ebrach häufig fallen, warum?
Herr Schroll: Wir sehen uns hier in der Justizvollzugsanstalt Ebrach historisch in der Tradition des bestehenden Zisterzienserklosters. Dieses Kloster, in dem sich die JVA heutzutage befindet, wurde bereits im Jahre 1127 gegründet und mit der Zeit die reichste Abtei Frankens. Auch heute noch handelt es sich hier um ein Kulturdenkmal europäischen Ranges. Das klösterliche Leben der damaligen Zeit war geprägt von Landwirtschaft, wie es auch heute noch die ganze Region und insbesondere auch die Gemeinde Ebrach sind. So sehen wir uns als JVA Ebrach ebenfalls zur Nachhaltigkeit verpflichtet. Eine unserer Aufgaben besteht deshalb auch darin, die bestehende Kulturlandschaft zu pflegen und für die Zukunft zu erhalten.
FS: Was war in jüngerer Zeit der Auslöser für die Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit?
Herr Schroll: Mein Thema ist vor allem seit 2013 das Energiesparcontracting. Hierbei handelt es sich um ein Programm, welches über die Bayerische Staatsbauverwaltung Energiesparmaßnahmen ermöglicht. Über externe Firmen, in unserem Fall hat der Anbieter E-eins den Zuschlag erhalten, erhalten Behörden externes Know-how und Investitionen in energiesparende Maßnahmen, die sich über Energieeinsparungen quasi refinanzieren. So wurden in der JVA Ebrach Maßnahmen in Höhe von 1,8 Millionen € möglich. Hierbei ging es vor allem um Einsparungen in den Bereichen Wasser, Heizöl und Strom. In der JVA Ebrach wurde mit dem weiteren Ausbau der Hackschnitzelanlage und der Einführung eines Blockheizkraftwerks ein völliger Wechsel des Energieträgers vollzogen. Darüber hinaus wurde mit Beschluss des Bayerischen Landtags vom 11. Februar 2015 festgelegt, dass sämtliche landwirtschaftliche Betriebe der bayerischen Justizvollzugsanstalten auf ökologische Landwirtschaft umgestellt werden müssen.
FS: Wie haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JVA auf dieses Thema reagiert?
Herr Schroll: Diese reagierten größtenteils aufgeschlossen auf die Ideen und Maßnahmen. Sie haben erkannt, dass auf diese Weise Modernisierungsmaßnahmen auf die Schnelle realisiert werden können. Im Bestand befindliche und noch funktionsfähige, aber technisch veraltete Anlagen wären ansonsten in absehbarer Zeit nicht erneuert worden.
FS: Wie geht es weiter? Sind Sie am Ende der Umstellung oder gibt es weitere Pläne?
Herr Schroll: Wir haben tatsächlich weitere Pläne: Wir wollen Solaranlagen auf den Dächern der landwirtschaftlichen Betriebe realisieren und so Strom und Warmwasser gewinnen. Über die Photovoltaikanlage wollen wir vor allem den Stromverbrauch für die Sicherheitstechnik abdecken.
Wir wollen in der Landwirtschaft bei den Nutzfahrzeugen auf regenerative Energien umstellen und planen, die Fahrzeuge zukünftig mit Pflanzenöl zu betreiben. Das hierfür erforderliche Öl könnte in 1.000 l Tanks geliefert und vor Ort gelagert werden. Wir leasen bereits einige Dienstfahrzeuge mit Hybridantrieb und werden auch in Zukunft verstärkt auf alternative Antriebe setzen.
Hackschnitzelanlage zur Wärmeerzeugung
Anlagentechnik im Wandel der Zeit
Martin Beck, Haustechnik der JVA Ebrach
haustechnik.ebrach@jv.bayern.de
1998 wurde in der JVA Ebrach ein Hackschnitzelkessel mit 1.500 kW (1,5 MW) eingebaut. Dieser Biomassekessel sollte einen Teil der benötigten Energiemenge erzeugen und dadurch den bisherigen Energieeinsatz der beiden Ölkessel reduzieren. Bei der Ermittlung der Größe hatte man die Philosophie, dass der Kessel bei ca. 0°C bzw. -5°C ausgelastet war. Somit wurde die Laufzeit des Hackschnitzelkessels verlängert und er konnte von ca. Oktober / November bis April / Mai betrieben werden. Die JVA Ebrach benötigt je nach Witterung ca. 5.000 MWh bis 6.000 MWh Energie für die Beheizung. Durch den Einsatz des Hackschnitzelkessels konnten ca. 4.000 MWh durch erneuerbare Energie geleistet werden. Somit reduzierte sich die Laufzeit der beiden Ölkessel und es wurde eine erhebliche Menge an fossilem Brennstoff eingespart.
Im Rahmen des Energiesparcontractings (ESC) 2014 wurde ein mit Flüssiggas betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer thermischen Leistung von 70 kW und einer elektrischen Leistung von 34 kW eingebaut. Bei der Ermittlung der Anlagengröße wurde der Heizenergieverbrauch in den Sommermonaten (Warmwasserbereitung, Nahwärmenetz) und die Grundlast beim Stromverbrauch berücksichtigt. Dadurch erreicht das BHKW eine Laufzeit von bis zu 8.200 Betriebsstunden pro Jahr. Weiterhin wurde ein weiterer Hackschnitzelkessel mit einer Leistung von 400 kW errichtet. Um die Laufzeit der neuen Anlagen zu verbessern, wurden zwei Pufferspeicher mit je 8.000 Litern montiert. Aufgrund dessen konnte ein Ölkessel demontiert werden. Des Weiteren wurde im Zuge des ESC eine Gebäudeleittechnik aufgebaut, durch die wir die Wärmeerzeuger effektiver einsetzen, die Energieströme nachhaltiger lenken und somit weitere Rohstoffe einsparen können. Durch die Bautätigkeiten des ESC konnte der Ölverbrauch nochmals um ca. die Hälfte reduziert werden. 2020 wurde der große Hackschnitzelkessel (1.500 kW) altersbedingt durch zwei kleine Kessel (je 500 kW) ersetzt und es wurden zwei weitere Pufferspeicher mit je 28.000 Litern eingebaut. Eine im Jahr 2000 errichtete Kondensatkühlung (diese gewinnt die Restenergie aus der Dampferzeugung zurück) wurde bei dieser Maßnahme umgebaut und effektiver ins Netz eingebunden. Mit dieser Maßnahme konnte der Ölverbrauch nochmals reduziert werden, sodass der verbleibende Ölkessel jetzt nur noch als Redundanz für die Betriebssicherheit benötigt wird.
Im vergangenen Jahr benötigten wir für die Beheizung der Liegenschaft nur noch 745 Liter Heizöl. Abschließend sei noch zu erwähnen, dass der Einsatz von Rohstoffen immer im Wandel der Zeit ist und es leider kein Patentrezept für eine wirkliche Nachhaltigkeit gibt. Letztendlich liegt es bei jedem Einzelnen, mit seinem Wohlstand verantwortungsvoll umzugehen. Umweltschutz bedeutet auch, Rohstoffe nur dann einzusetzen, wenn ich sie wirklich zum Leben brauche.
Einige ergänzende Fragen an Martin Beck, Haustechnik
FS: Seit 1998 gibt es ihre Hackschnitzelanlage zur Wärmegewinnung. Warum hat man sich damals hierfür entschieden?
Herr Beck: Der damalige Anstaltsleiter, Herr Welzel, wollte weg von fossilen und hin zu regionalen Rohstoffen. Als bisheriges Heizmaterial stand lediglich Öl zur Verfügung, da die JVA Ebrach keinen Anschluss an die Gasleitung hat. Es wurde dann damals ein Hackschnitzelkessel erworben und ein entsprechendes Kesselhaus aufgestellt. Anfangs bekamen wir die Hackschnitzel nicht aus der nahen Region, denn zum damaligen Zeitpunkt war das Angebot nicht so verbreitet, wie es sich jetzt in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Wir haben uns dann intensiv um regionale Hackschnitzel bemüht und die Bauern direkt angesprochen, damit wir die nötige Qualität und Menge bekamen.
FS: Was sind die Vorteile der Anlage? Ist der Standort entscheidend?
Herr Beck: Der Vorteil unserer Hackschnitzelanlage ist, dass wir den Heizölverbrauch von bis zu 700.000 l im Jahr reduzieren konnten auf 745 l und nun das Heizöl für die Beheizung keine Rolle mehr spielt. Natürlich ist der landwirtschaftlich geprägte Standort entscheidend. Heutzutage gibt es viele Hackschnitzelanlagen in der Gegend, sodass wir unseren Rohstoff regional einkaufen können.
Landwirtschaft - der JVA Ebrach
Seit 2016 wurde der landwirtschaftliche Betrieb der JVA Ebrach auf biologische Landwirtschaft umgestellt und seit 2017 Bioland zertifiziert.
FS: Was bedeutet nachhaltige Landwirtschaft für Sie?
Herr Bauer: Auf diese Art und Weise pflegen wir das landwirtschaftliche Erbe und die hiesige, historisch gewachsene Kulturlandschaft. Ich selbst komme aus der Landwirtschaft. Wir hatten zu Hause eine konventionelle Landwirtschaft und sind später ökologisch geworden. Die Preise früher waren nicht so attraktiv, sodass sich das ökologische Landwirtschaften nicht gelohnt hat. Aus Interesse habe ich dann auf ökologische Landwirtschaft umgesattelt. In der JVA haben wir seit 2016 den Betrieb auf biologische Landwirtschaft umgestellt und sind seit 2017 Bioland zertifiziert.Die Anstaltsgärtnerei - ein CO2-neutraler Betrieb
FS: Was bedeutet es, dass die Gärtnerei ein CO2-neutraler Betrieb ist?
Herr Donhauser: Wir verheizen keine fossilen Brennstoffe und haben alle Geräte ersetzt, die auf solche Brennstoffe setzen. So haben wir nun ein Elektrofahrzeug anstelle eines Traktors. Hierfür haben wir finanzielle Mittel vom Justizministerium bekommen. Die stammen aus der bayerischen Klimaschutzoffensive. Ebenso setze ich auf regionale Pflanzenlieferanten und plane den nachhaltigen Einsatz von Pflanzen, die eine Zukunft in Bayern haben, zum Beispiel als CO2-Speicher.
Exkurs Bäckerei der JVA Ebrach
Bäckermeister Gerhard Uhl – Initiative Wasserschutzbrot
Dem Bäckermeister Uhl liegt die Qualität der Backwaren in der JVA Ebrach sehr am Herzen, deshalb verzichtet er bereits seit dem Jahr 2013 auf jegliche Zusatzstoffe, so dass nur das Nötigste in sein Brot kommt (Mehl, Wasser, Salz, Hefe, Sauerteig). Mit bis zu 290.000 kg Brot im Jahr beliefert er nicht nur die eigene Anstalt, sondern etliche andere Justizvollzugsanstalten im Nordosten Bayerns. Seit 2020 ist der Bäcker auch ein Wasserschutz-Bäcker. Beim Weizenanbau wird hierfür auf die dritte Düngung verzichtet und dadurch das Grundwasser geschützt. Dieses Wasserschutz-Brot erfordert ein Zusammenspiel zwischen Landwirt, Wasserversorger, Mühle und dem Bäcker. Für den Bäcker bedeutet dies eine intensivere Teigpflege, was von ihm mehr Gespür erfordert und den Lehrlingen eine anspruchsvolle Ausbildung beschert.
Heimatteller in der JVA Ebrach
Nachhaltigkeit bedeutet für Herrn Ziegler (Küchenleiter der JVA Ebrach) vor allem die Verwendung regionaler Lebensmittel - ganz viel davon in
der Beamtenverpflegung, in der Gefangenenverpflegung ist es etwas schwieriger. Die Kantinen sollten entsprechend der Vorgaben aus dem Justizministerium auf regional und regional Bio umstellen.
Eingekauft wird vor allem in der landwirtschaftlich geprägten Region entsprechend der Saison. Gemüse müsse zugekauft werden. Ansonsten profitiert die Anstalt von ihrer eigenen Landwirtschaft, Gärtnerei und Metzgerei. Landwirte in der Gegend stellen immer wieder Lebensmittel zur Verfügung. Hier ist es vorteilhaft, dass aufgrund der lokal verbundenen Mitarbeiter gute Kontakte in die Gegend bestehen.